Zdzislaw Lachur als Zeuge der nationalsozialistischen Verbrechen

Parchim. Das Museum der Stadt Parchim zeigt vom 27. März bis zum 17. Mai 2026 die neue Sonderausstellung „Gegen das Vergessen – Zdzislaw Lachur und die gemalte Erinnerung.“ Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Schaffen von Zdzislaw Lachur, dessen Malerei von persönlichen Kriegserfahrungen, modernen Strömungen seiner Zeit und einem feinen Gespür für Menschlichkeit geprägt ist. Sie vermittelt nicht nur Zugang zu Lachurs Kunst, sondern schafft zugleich einen Raum für Erinnerung, Reflexion und historisches Bewusstsein.
Präsentiert werden Werke aus den Jahren 1954 bis 1987, die aus der Sammlung von Jürgen Dawo stammen. Am 26. März, um 16:00 Uhr wird die Vernissage im Beisein von Parchims Bürgermeister Dirk Flörke feierlich eröffnet. Die Ausstellung kann in der Kulturmühle kostenfrei besichtigt werden.
Über den Maler Zdzislaw Lachur
Der polnische Maler Zdzislaw Lachur (1920–2007) lebte während des Zweiten Weltkriegs in unmittelbarer Nähe des Ghettos von Sosnowiec und wurde so zum direkten Zeugen der nationalsozialistischen Verbrechen. Diese Erfahrungen prägten sein künstlerisches Schaffen nachhaltig. Er stellte sich in seinem künstlerischen Schaffen den Abgründen des 20. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund des Diktums von Adorno, dass nach Auschwitz kein Gedicht mehr möglich sei, eröffnet Lachurs Malerei dennoch einen Weg, das existentielle Leid der sogenannten „Judenghettos“ in Polen während der deutschen Besatzung künstlerisch zu reflektieren. Seine Werke laden zu einer stillen, konzentrierten Betrachtung ein, die Zeit und Aufmerksamkeit verlangt.
Von 1945 bis 1950 studierte Lachur in Krakau Malerei und setzte sich intensiv mit der modernen Kunst seiner Zeit auseinander. Er stand in brieflichem Austausch mit Pablo Picasso und beschäftigte sich eingehend mit den Arbeiten von Salvador Dalí und Marc Chagall. Seine Bildsprache ist nie formalistisch, streng oder abstrakt, sondern immer am Augenblick des Entdeckens, Erkennens und Staunens interessiert. Mit dieser eigenwilligen, zutiefst menschlichen Güte lädt er die Betrachter ein, sich den historischen Abgründen zuzuwenden, die Augen nicht zu verschließen und Erinnerungen lebendig zu halten.




